
Sankore bezeichnet sowohl ein intellektuelles Erbe, das mit der Universität von Timbuktu verbunden ist, als auch ein digitales Bildungssystem, das entwickelt wurde, um den Zugang zu Lehrressourcen zu erleichtern. Der Name verweist auf die Sankore-Moschee, ein Wissenszentrum, das vor sechs Jahrhunderten gegründet wurde und dessen Übertragungsauftrag sich heute durch Software-Tools und Online-Plattformen für Lehrer und Schüler fortsetzt.
Sankore und die Software Open-Sankore: technische Grundlage für digitales Lernen
Die Software Open-Sankore ist ein freies Programm, das für interaktive Whiteboards (IWB) und interaktive Projektoren (IP) konzipiert wurde. Ihr Prinzip basiert auf einer Benutzeroberfläche, auf der der Lehrer Unterrichtseinheiten erstellt, annotiert und organisiert, die direkt im Klassenzimmer projiziert werden.
Diese Software funktioniert auf den gängigen Betriebssystemen. Sie ermöglicht die Integration von Animationen, Textdokumenten, Bilddateien und Multimedia-Inhalten in einem einzigen Arbeitsbereich. Der Lehrer kann somit jede Einheit an das Niveau seiner Schüler anpassen, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe.
Das Besondere an Open-Sankore ist seine freie Lizenz: Jeder Lehrer kann es herunterladen, modifizieren und seine eigenen Ressourcen weiterverbreiten. Diese Offenheit hat eine Gemeinschaft von Mitwirkenden hervorgebracht, die einsatzbereite Unterrichtseinheiten teilen, insbesondere in Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen. Um den Inhalt von Sankore zu erkunden, versammelt die Online-Plattform diese Ressourcen, die nach Fachrichtung und Schulstufe kategorisiert sind.

Digitale Lehrressourcen: Was Sankore konkret anbietet
Die Plattform Sankore beschränkt sich nicht auf die Software für interaktive Tafeln. Sie bietet Zugang zu einem Katalog von digitalen Lehrressourcen, die organisiert sind, um den Lehrplänen mehrerer Länder, insbesondere in französischsprachigen afrikanischen Ländern, gerecht zu werden.
Verfügbare Inhaltsarten
- Interaktive Unterrichtseinheiten, die einsatzbereit sind und Mathematik, Naturwissenschaften, Französisch und Geschichte-Geografie abdecken, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe
- Animationen und Übungen, die in Open-Sankore oder in anderen kompatiblen digitalen Medien integriert werden können, um die Lehransätze zu variieren
- Begleitdokumente für Lehrer, mit Handbüchern zur Einarbeitung und Vorschlägen für Unterrichtsszenarien, die an verschiedene Kontexte angepasst sind (städtische Schule, ländliche Schule, Fernunterricht)
Diese Organisation nach Niveau und Fachrichtung erleichtert die Suche für einen Lehrer, der eine Unterrichtsstunde vorbereitet. Jede Ressource ist auf ein bestimmtes Lernziel ausgerichtet, was mühsames Sortieren in allgemeinen Inhaltsbanken vermeidet.
Kulturelles Erbe von Sankore und digitale Kontinuität
Die Universität von Sankore in Timbuktu hat über Jahrhunderte als Zentrum der Wissensübertragung fungiert und beherbergte Tausende von Manuskripten, die Astronomie, Medizin, Recht und Theologie abdeckten. Im Juli 2026 hat die UNESCO die Gemeinschaften von Timbuktu unterstützt, um das 600-jährige Jubiläum der Sankore-Moschee zu feiern und an diese historische Rolle als intellektuelle Schnittstelle zu erinnern.
Diese jüngste Gedenkfeier beleuchtet die Wahl des Namens für die digitalen Werkzeuge. Der Übergang von der handschriftlichen Bibliothek zur Online-Plattform spiegelt eine ähnliche Logik wider: Wissen über geografische Grenzen hinweg zugänglich zu machen. Die Manuskripte von Timbuktu zirkulierten zwischen Gelehrten Westafrikas; die digitalen Ressourcen von Sankore zirkulieren zwischen verbundenen Lehrern.

Diese Verbindung zwischen Erbe und Digitalem verleiht Sankore eine einzigartige Identität im Bereich der Online-Bildung. Es handelt sich nicht nur um ein technisches Werkzeug, sondern um ein Projekt, das pädagogische Innovation in eine Tradition des Wissensaustauschs einbettet.
Digitale Bildung in Afrika: der Rahmen, in den Sankore sich einfügt
Die Afrikanische Union hat 2022 eine Strategie für digitale Bildung verabschiedet, die die kontinentalen Initiativen um vier Achsen strukturiert:
- Zugang zu digitalen Infrastrukturen in Schulen, einschließlich ländlicher Gebiete
- Erstellung und Verbreitung von digitalen Lehrressourcen, die an die lokalen Lehrpläne angepasst sind
- Entwicklung eines privaten EdTech-Sektors, der das Bildungssystem unterstützen kann
- Schulung der Lehrer in den digitalen Kompetenzen, die notwendig sind, um diese Werkzeuge im Unterricht zu nutzen
Sankore passt direkt in die beiden ersten Achsen. Die Software Open-Sankore erfüllt den Bedarf an zugänglichen (kostenlosen, leichten, mit bescheidener Hardware kompatiblen) Werkzeugen. Die Plattform für Ressourcen erfüllt den Bedarf an Inhalten, die auf die lokalen Lehrpläne abgestimmt sind, ein Punkt, den große internationale Bildungsplattformen nicht immer abdecken.
Lehrerbildung und Anwendung im Klassenzimmer
Einer der Hemmnisse für die Einführung digitaler Werkzeuge in Schulen bleibt die Ausbildung. Das Netzwerk Canopé in Frankreich hat Selbstlernmodule für Open-Sankore erstellt, die von der Einarbeitung bis zu den erweiterten Funktionen reichen. Diese Module umfassen Screenshots und Videos, die es einem Lehrer ermöglichen, selbstständig Fortschritte zu machen.
Der Ansatz der Peer-Ausbildung ergänzt dieses System. Lehrer, die die Software beherrschen, teilen ihre Einheiten und Erfahrungen, was die Lernkurve für neue Benutzer verringert. Diese kollaborative Dynamik unterscheidet das Sankore-Ökosystem von einem einfachen Download-Katalog.

Die Wahl einer freien Software erleichtert auch die Anpassung: Eine Akademie oder ein Ministerium kann die Benutzeroberfläche ändern, lokale Sprachen hinzufügen oder spezifische Inhalte integrieren, ohne von einem kommerziellen Anbieter abhängig zu sein. Diese technische Flexibilität entspricht der Vielfalt der schulischen Kontexte, von der französischsprachigen Sekundarstufe bis zum bilingualen Programm.
Sankore bleibt ein sich weiterentwickelndes Projekt. Die kürzliche Feier des 600-jährigen Jubiläums der Moschee erinnert daran, dass die Wissensübertragung immer auf menschlichen Netzwerken ebenso wie auf Medien beruhte. Die Werkzeuge ändern sich, die Logik des Teilens bleibt dieselbe.